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Elle Decoration

Reims, Frankreich

NEUE EMPORE!

Ein Haus im Wandel: Der Architekt Carlos Pujol entwarf einen Neubau auf einem Altbau. Und schuf auf allen Etagen ein verspielt-raffiniertes Interior

Fotos: ANTOINE HUOT

Wohnen im „Town House“: Küche, Esszimmer und Wohnbereich gehen ineinander über. Die meisten Möbel hat der spanische Archi­ tekt Carlos Pujol entworfen

Das war der Auftrag, von dem ich lange ge­ träumt hatte“, erinnert sich der spanische Architekt Carlos Pujol. Nach Jahren in Paris zog er der Liebe wegen in die Champagne. Und genau dort wartete dieser Traumauftrag auf ihn! Ein deut­ sches Ehepaar hatte einen ganz besonderen archi­ tektonischen Wunsch: Ein Haus aus dem 19. Jahr­ hundert im Zentrum der Stadt Reims sollte sensibel um drei weitere Etagen aufgestockt werden. Für die Gestaltung hatte er alle Freiheiten, die Auftraggeber gaben Carlos Pujol weitgehend die Carte blanche. Und er bekam für die Planung Unterstützung von einem Architekten der „Batiment de France“, einer Organisation, die für den Denkmalschutz verant­ wortlich ist. Für das Interior gab es nur eine einzige Vorgabe: Ein Hauch von Art déco sollte sich durch die 

„Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Art déco“

Die Mosaike sind nach Entwürfen von Carlos Pujol gefertigt. Die messingfarbene Armatur ist von Philippe Starck fürAxor

Oben: Sanftes Grün: Die verspielte Wandverklei­ dung im Schlafzimmer wurde aus Platten von Orac Decor geschnitten. Links: Im Obergeschoss sind die Türen „unsichtbar“, weil sie Teil der Trennwände sind. Auch hier taucht das Bogenmotiv wieder auf

Platz an der Sonne: Die Außenleuchte und den Tisch hat Carlos Pujol entworfen. Wenn es kälter wird am Abend, kann man den Tisch öffnen und hat dann eine Feuerstelle. Die Sitzmöbel sind von Kave

Oben: Die schwebende Treppe führt vom offenen Wohnbereich hinauf ins Ober­ geschoss. Rechts: Die historische Fassade der unteren Stockwerke verbindet sich fließend mit der modernen Architektur

 

Räume ziehen. Fein, nicht zu aufdringlich. Aber durchaus sichtbar. Carlos Pujol entschied sich für das Bogenmotiv als Zitat. Und so finden sich Bogen jetzt als Muster auf Trennwänden, sie formen die Einbauschränke in der Küche, die Beine des Ess­ tischs und die Türen des Sideboards. Bei der Farb­ palette entschied sich der Architekt für Hell und Pastell. Von Gold bis Rosa. Ein sanftes Blau, Greige und viel Holz. Und ganz besonders stolz ist er auf den Einsatz von „Switchable Glass“ im Badezimmer. Das Glas kann je nach Bedürfnis mal ganz transparent sein oder mal diskret undurchsichtig. Auch die meis­ ten Möbel sind nach Entwürfen von Carlos Pujol maßangefertigt. Trotzdem sagt der 50­jährige spa­ nische Designer bescheiden: „Das schlimmste Kom­ pliment, das man mir machen kann, ist, zu sagen, dass man meinen Stil erkennt ...“ Denn er möchte für jeden Kunden dessen ganz persönliche, einzigartige Welt schaffen. Und niemandem seinen Geschmack verordnen. „Ich nehme mir viel Zeit, höre sehr genau zu. Denn ich möchte die Träume verstehen ...“ Beruf­ lich pendelt Carlos Pujol momentan zwischen seinen Büros in Paris und Reims. Neuerdings ist er auch oft in Barcelona. Und vielleicht bald in Berlin. „Da würde ich gern noch ein Büro eröffnen, damit ich auch hier Menschen glücklich machen kann.“ OTTO HUSTEN

 

INTERIOR-TRICKS VON CARLOS PUJOL

1. Tipp: Egal, wie klein der Raum ist – setzen Sie große Spiegelflächen ein. Die zaubern auf jeden Fall andere Dimensionen. 2. Tipp: Dekorieren Sie Ihre Wände und Decken mit Applikationen oder Stuckelementen, die Sie anschließend mit der Wandfarbe übermalen. 3. Tipp: Finden Sie Ihr persönliches „Zeichen“. Eine ganz individuelle Note. Das kann eine besondere Farbe sein – oder ein bestimmtes Stilelement. Und deklinieren Sie es von Zimmer zu Zimmer.